Washa und die Granatäpfel

Shownotes

Der König reißt sich die Haare büschelweise aus, die Ratgeber kündigen vor Verzweiflung ihren Job und die Prinzen reisen einer nach dem anderen frustriert ab. Prinzessin Lilie denkt jedoch gar nicht daran, klein beizugeben. Was das alles mit einem Brunnen, einem Frosch und einer alten Lehmhütte zu tun hat, erfahrt ihr in diesem Märchen. Gefällt es euch? Verratet es mir: Kinderkanal@alexandraerzaehlt.de oder per Nachricht über Instagram. (@kampmeierskinderkanal) Ich freu mich drauf!

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Transkript anzeigen

00:00:02: So, heute.

00:00:12: wir versprochen ein etwas längeres Märchen.

00:00:15: Irgendwie kommt es mir so bekannt vor, vielleicht weil ich es schon mal erzählt habe.

00:00:18: Ich hoffe nicht hier.

00:00:20: Ich meine, wir sind jetzt bei über twohundert neunzig Märchen und Geschichten.

00:00:25: Da kann ich mir natürlich immer nur hoffen, dass ich keine Doppel erzähle, obwohl ich es mir immer aufschreibe.

00:00:31: Solltet ihr das mal erleben, dass ich eine Doppel der Zellen sag, die mir bescheid, ok?

00:00:35: Weil dann werde ich alt, dann muss ich aufpassen.

00:00:39: Gut, jetzt fangen wir mal an.

00:00:41: Denn dort, wo sich über blauen Bergen ein goldener Himmelsbogen erhebt, da stand in einem Tal der prächtige Palast, in dem Prinzessin Lilie lebte.

00:00:57: Viele Prinzen waren durch das Palast-Tor geritten.

00:01:00: Denn alle wollten sie die Prinzessin zur Frau.

00:01:04: Doch so, wie sie geritten kamen, sind sie auch wieder von Dannen gezogen.

00:01:09: Der erste war Prinzessin Lilie zu klug, der zweite war ihr zu dumm, der eine zu groß, der andere zu klein, der nächste zu dick, der andere zu dünn und so weiter und so fort.

00:01:22: Der König, also der Vater von Prinzessin Lilie.

00:01:25: Der konnte sagen, was er wollte.

00:01:26: Der mochte die Hände ringen, bis ihm die Arme schwer wurden, sich die Haare raufend, bis sie ihm büschelweise ausfielen, sich Tage und Nächte lang mit seinen Ratgebern beraten, es half alles nichts.

00:01:38: Die Prinzessin dachte nicht daran, sich für einen der Freier zu entscheiden, die von nah und fern und oftmals von noch viel weiter her kamen.

00:01:48: Erst als der König ihr drohte, sie bei einem anderen König in der Küche zu verdingen, Wenn sie nicht innerhalb von einer Woche ein und zu manne erwähle, da sagte die Prinzessin schließlich, Einverstanden Vater, ich habe gewählt.

00:02:04: Sogleich schickte der König alle seine Ratgeber nach Hause und erhießt sie sich erst einmal ordentlich auszuschlafen, sich zu waschen und zu kämmen und danach in frischen Kleidern wiederzukommen.

00:02:14: Die Ratgeber waren zufrieden, sie stießen ja schon von Müdigkeit fast mit den Köpfen aneinander.

00:02:20: Ach, und sie drohten auch vor Erschöpfung von den Stühlen zu fallen.

00:02:24: Und so gingen sie jeder für sich in ihre Häuser.

00:02:28: Aber kaum, dass sie dort waren, wurden sie auch schon wieder in den Palast gerufen.

00:02:32: Was war das für eine Aufregung?

00:02:35: Der König erhielt nicht ein, seine Hände zu ringen, sich die Haare zu raufen.

00:02:40: und als die Ratgeber erfuhren, wieso, was in ihrer kurzen Abwesenheit geschehen war, da taten sie es dem König nach.

00:02:48: Konnte man das denn glauben?

00:02:49: Konnte das denn sein?

00:02:51: Konnte denn überhaupt jemand, der einen gesunden Menschenverstand besaß, das begreifen?

00:02:59: Da nutzte auch der lieblichste Name nichts.

00:03:01: Prinzessin Lilie war die einzige und zugleich ungeradene Tochter des Königs.

00:03:09: Sie wollte, haltet euch fest, niemand Anderen als den Korbmacher zum Manne.

00:03:17: Den Korbmacher, woher kannte sie den überhaupt?

00:03:20: Wie waren sie sich denn begegnet?

00:03:23: War das vielleicht irgendwo heimlich an einem unschicklichen Ort?

00:03:26: Müsse man den Korbmacher da vielleicht bestrafen?

00:03:30: Aber die Prinzessin war nicht bereit, den Ort der Begegnung zu nennen.

00:03:34: Und wisst ihr auch warum nicht?

00:03:35: Weil es dem gar nicht gab.

00:03:37: Die Prinzessin war dem Korbmacher nie begegnet.

00:03:41: Sie hatte ihn nur vom Fenster aus gesehen.

00:03:45: Denn vor dem Palast gab es einen großen Platz und dort kam der Korbmacher jeden siebten Tag.

00:03:50: Und dort brot er seine Körper an.

00:03:53: Und so war das.

00:03:54: Und da hatte sie ihn gesehen.

00:03:55: Und jetzt die große Frage, wollte denn auch der Korbmacher die Prinzessin zur Frau?

00:04:00: Ja, das wollte er wohl.

00:04:02: Aber nur wenn sie zu ihm in die Lehmhütte zöge, sagte er, da war jetzt die große Frage, wollte das auch die Prinzessin?

00:04:12: Ja, genau das wollte sie.

00:04:16: Und als die Ratgeber das alles gehört hatten, da kündigten sie dem König ihren Dienst auf, denn jetzt wussten sie wirklich beim besten Willen nichts mehr zu raten.

00:04:25: Aber der König, der war der Meinung, bessere Ratgeber würde auch nicht finden und deshalb nahm er die Kündigung nicht an.

00:04:33: Die Prinzessin, die heiratete ohne großes Tamtam.

00:04:37: Sie heiratete Wascher, den Korbmacher und zog mit ihm in seine kleine Hütte am Rande der Stadt.

00:04:44: Aus ihrem seidenden Schal nähte sie für ihren Mann ein neues Hemd.

00:04:47: Aus dem Saum ihres Rockes zog sie den Faden dazu heraus, und mit einer Fischgräte besserte sie seine Hosen aus, und von nun an konnte jeder sehen, dass der Korbmacher eine Frau hatte, die sich um ihn kümmerte.

00:04:59: Selbst der König, der in durchs Fenster sah, dachte, hm, schaut, schaut, wie er sich verändert hat.

00:05:05: Mir hatte er eine schlechte Tochter entführt, und dafür hatte er eine gute Frau bekommen.

00:05:11: Eines Abends, als der Korbmacher von seiner Arbeit hinter der Hüte aufstand und der Prinzessin übers glänzende Haarstrich, da sagte die, Deine Hände sind aufgesprungen, so wie alte Rinde, sie reiben mir die Wangen und auch die Haare auf.

00:05:25: Du arbeitest über die Maßen viel, und das schilft, dass du, dass du brichst, das wehrt sich, such dir eine andere Arbeit, eine, die deine Hände nicht so rissig macht.

00:05:36: Da ließ sich der Korbmacher von einem Kaufmann anwerben.

00:05:39: Diese hatte verschiedene Waren, Stoffe, Weine, Getreide und musste diese nun auf seiner Reise verkaufen.

00:05:47: Da verabschiedete sich Wascher von der Prinzessin Lilia und begab sich mit dem Kaufmann auf die Reise.

00:05:53: Neunmal wuchs der Mond und wurde zu Scheibe, neunmal nahm er ab und wurde zu sichel und auf der Matte in der Hütte des Korbmachers wurde ein Junge geboren.

00:06:04: Wascher hatte dem Kaufmann in dessen beim Verkauf seiner Ware geholfen und die Maultiere mit neuer Ware beladen und als auch diese einen guten Erlös gebracht hatten, da kamen sie in ein Land, da herrschte große Dürre.

00:06:17: Tage und Nächte reiten sich aneinander, wie glanzlose Perlen auf einer Schnur.

00:06:23: Ausgedürrt war der Boden, trocken die Kehle von Pferd, Maultier und Mensch, die Wassersäcke waren leer, und Wascher und der Kaufmann mussten lange reiten, bis sie einen Brunnen fanden.

00:06:35: Als sie aber den Eimer in diesen hinunterließen, riss das Seil.

00:06:39: Da stieg Wascher in den Schacht, den Eimer wieder heraufzuholen, denn einen zweiten hatten sie nicht.

00:06:44: Doch kaum, dass seine Füße halt gefunden hatte, verloren sie ihn auch gleich wieder, und Wascher fiel tief und immer tiefer in den Brunnen hinab.

00:06:52: Und als er dachte, jetzt sei es um ihn geschehen, da setzten seine Füße auf einem weichen Teppich auf und vor ihm öffnete sich wie von Geisterhand ein Tor, durch das Wasser auf eine große grüne Wiese gelangte.

00:07:05: Dort empfingen ihn drei Jungfrauen, die führten ihn zu einem Bassin, auf dessen breitem Rand ein Frosch hockte.

00:07:12: Und dieser Frosch, der, schaute, auf einen Jüngling in kostbarem Gewand.

00:07:19: Eine der drei Jungfrauen reichte Wascher einen Becher Wein und sprach, sei uns willkommen.

00:07:25: Lange warten wir schon auf einen, der uns sagt, welche die Schönste von uns ist.

00:07:30: Da trank Wascher erst mal in aller Ruhe den Becher leer und sagte dann nach langer Überlegung, die Schönste ist immer die, die wir lieben.

00:07:42: Und da geschah etwas.

00:07:45: Der Frosch hüpfte vom Bassin unter und verwandelte sich in eine Jungfrau, die schön war wie der helle Morgen.

00:07:51: Und der Jüngling im kostbaren Gewand sprang herbei, nahm sie froh in seine Arme und sprach, — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — —.

00:08:05: Er war es auch, da die Prinzessin, die er zu Frau begehrte, zur Strafe, weil sie ihn nicht wollte, in einen Frosch verwandelte.

00:08:20: Nimm als Belohnung diese drei Granatepfel.

00:08:24: Wascher nahm die Granatepfel und in nächstem Moment wurde er wie von Geisterhand aus dem Tor hinaus und den Brunenschacht hinaufgezogen.

00:08:34: Dem Kaufmann in dessen, dem war Angst und Bange geworden.

00:08:36: Was sollte er denn jetzt machen?

00:08:38: Wie sollte er Tiere und Waren wohlbehalten, nach Hause zu bringen, ohne Wascher?

00:08:43: Und war Wascher denn nicht weit mehr als ein Diener?

00:08:45: Er war doch ein Freund geworden in all der Zeit.

00:08:49: Und mitten in seinen Überlegungen, da kam es ihm vor, als ob sich im Schacht etwas bewege.

00:08:55: Und ehe er sichs versah, da stand Wascher wieder vor ihm und an dem Seil ein Eimer bis an den Rand mit Wasser gefüllt.

00:09:04: Sogar haben sie denn den Tieren zu trinken und tranken auch selbst, füllten die Flaschen, bis keine mehr leer blieb.

00:09:10: Danach erzählte Wascher dem Kaufmann, was ihm geschehen war.

00:09:13: Und der Kaufmann, der war froh, dass alles einen guten Ausgang genommen hatte.

00:09:18: Und als Wascher die Garnateppel vorwies, da dachte der Kaufmann, tja, da wird's wohl so gewesen sein, wie Wascher erzählt.

00:09:27: Bald darauf begegneten sie einem anderen Kaufmann mit seinem Gehilfen.

00:09:31: Und Wascher erkannte den Gehilfen.

00:09:34: Er hatte seine Hütte nur einen Steinwurf von seiner eigenen entfernt.

00:09:39: Und da der andere Kaufmann mit dem Gehilfen schon auf dem Heimweg war, da gab Wascher seinem Nachbarn die drei Granaterpfel mit.

00:09:51: Bringen sie in meine Hütte.

00:09:52: Es ist nicht viel, aber es ist doch mehr als nichts.

00:09:56: Und der Nachbar, der versprach es.

00:10:00: Kaum, dass er angekommen war, ging er zur Hütte von Wascher und erzählte dort dessen Frau, dass er ihm begegnet sei und was er von ihm wusste, und am Ende überreichte er die drei Granatepfe.

00:10:12: Als er nun gegangen war, erzählte Prinzessin Lilie dem Sohn in einfachen Worten, was mit dem Vater war, und während sie das tat, dann nahm sie einen der Granatepfe und teilte ihn.

00:10:24: Doch!

00:10:25: Doch da fielen keine süßen Kerne heraus, sondern hunderte schimmernde Perlen, und aus dem zweiten vielen goldene Ringe und aus dem letzten Rubine uns maragte.

00:10:35: Da überlegte die Prinzessin nicht lange, sie sammelte alles ein und ging, um sich umzurühren, wie viel das wohl wert sei, was man ihr dafür gebe.

00:10:44: Und als noch einmal so viele Monate vergangen waren, wie bis zu dem Tag, als der Nachbar die Granatepfel in Waschers Lebenhütte gebracht hatte, Da kehrte auch Wascher endlich mit dem Kaufmann zurück.

00:10:56: Vor den Stadtmauern angelangt, da sagte er zum Kaufmann, hier wollen wir uns trennen, denn ich weiß einen Pfad, auf dem ich ohne Umwege zu meinem Haus gelange.

00:11:05: Da reichte der Kaufmann Wascher einen großen Beutel Gold für seine Dienste, und Wascher lief den Pfad, der vor der Mauer herführte.

00:11:13: Wie aber staunte er, als er plötzlich eine Schafherde vor sich sah, die so groß war, wie selbst der König keiner hatte?

00:11:19: Wascher hielt an und fragte einen der Hirten, sagt, welchen Schafe hütet ihr?

00:11:24: Es sind die Schafe, Waschers, des Korbmachers.

00:11:27: So eine dumme Rede habe ich an lange nicht gehört, dachte Wascher bei sich, sagte aber nichts und lief weiter.

00:11:33: Doch nach einer Weile sah er vor sich eine Kuhherde, die so groß war, wie selbst der König, keine besaß.

00:11:39: Sag da mal, wem gehört diese Herde?

00:11:41: fragte er wieder einen Hirten.

00:11:43: Und, der Hirte antwortete, diese Herde gehört Wascher, dem Korbmacher.

00:11:49: der nur um den Verstand gebracht haben, fragte sich wascherheimlich, und er lief weiter zu dem Tor, hinter dem er seine Hütte wusste.

00:11:58: Wie aber er schrag er, als er die Hütte nicht fand, als er begriff, dass der Palast den er vor sich sah und er selbst größer war als der Palast des Königs, dort stand, wo vorher seine Hütte gestanden hatte.

00:12:11: Er schlug sich vor die Stirn, er schloss die Augen, machte sie wieder auf, er kniff sich in den Arm, Aber der Palast blieb, wo er war, und von seiner Hütte war weit und breit nichts zu sehen.

00:12:21: – Vielleicht bin ich durch das falsche Tor gelaufen, dachte Wascher, und er war so verwirrt, dass er selbst das Haus des Nachbarn nicht erkannte, und so lief er zum Tor wieder hinaus.

00:12:34: Als ihm ein paar Maultiertreiber entgegen kam, der trat er auf einen zu und sagte, sag da mal, wem gehört denn der Palast, dessen goldene Kuppeln man hier direkt ganz nah sehen kann?

00:12:45: Der Maultiertreiber blickte wascher an und sagte, hm, ihr seid sicher fremd in der Stadt und kommt von weit her, denn sonst wüstet ihr, dass dieser Palastwascher dem Korbmacher gehört.

00:12:56: Was, was ist denn dieser Korbmacher für einer, dass er sich an den solchen Palast leisten kann, wollte wascher davon Maultiertreiber wissen?

00:13:04: Er ist der, den die Prinzessin Lilia sich zu manne erwählt hat, antwortete dieser.

00:13:09: Und als Wascher dies gehört hatte, der kehrte er um und lief erneut durch das Tor.

00:13:14: Wünschte sich dabei nichts mehr, als dass der Maut hier drei bei die Wahrheit gesprochen hätte.

00:13:19: Weil also, dass ich Wascher der Korbmacher bin, das weiß ich.

00:13:24: Und ob dieser Palast mir und keinem anderen gehört, das werde ich gleich wissen.

00:13:29: Und alles klärte sich auf, wie ihr euch denken könnt, nicht wahr?

00:13:33: Die Prinzessin, die hatte es verstanden, mit dem Schatz, der aus den Granatepfeln gekommen war, sorgfältig umzugehen.

00:13:42: Sie hatte davon die Hälfte der Schafe und der Kühe gekauft, die Wascher vor den Mauern der Stadt gesehen hatte.

00:13:47: Doch erst als sich die Schafe und die Kühe um das Doppelte vermehrt hatten, da war die Prinzessin auf den Gedanken gekommen, die Hüte abreißen und an ihrer Stelle den Palast bauen zu lassen.

00:13:59: Dies alles erzählte sie ihrem Mann.

00:14:02: Und natürlich erzählte sie ihm auch, dass er einen Sohn hatte, und als er hinging und ihm in die Augen blickte, da dachte er, das ist das schönste und klügste Kind.

00:14:12: unter der Sonne sei.

00:14:14: Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Ende.

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